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Graphik: EEX 2008, pixelio.de
Aktualität
Kein Thema hat in den vergangenen Monaten und mittlerweile Jahren mehr
Aufmerksamkeit in Medien, Politik und Gesellschaft erfahren als der sich
abzeichnende Klimawandel. Von kurz- bis mittelfristigen Geschehnissen wie den
US-Vorwahlen oder der Steuerproblematik deutscher Stiftungen in Liechtenstein
wird nur noch vorübergehend verdrängt, daß es sich bei der Klimaproblematik
und ihrer drohenden Auswirkungen um das beherrschende Thema des neuen
Jahrtausends handelt. Es geht dabei auch nicht um einen "vorübergehenden
Trend", wie Kritiker meinen, sondern um die wohl größte globale
Herausforderung, der sich die Menschheit zu stellen hat:
"Terroristen töten Menschen. Massenvernichtungswaffen haben das Potenzial,
eine ungeheuere Menge Menschen zu töten. Aber die globale Erwärmung hat das
Potenzial, alle zu töten..."
(Michael Bloomberg, Bürgermeister von New York, während einer dreitägigen
UN-Konferenz zum Klimawandel)
Verschiedene Veröffentlichungen von international anerkannten Wissenschaftlern
und Ökonomen haben akribisch zusammengetragene aktuelle Fakten für Politiker
und Bevölkerung verständlich gemacht. Der als „Stern-Report“ bekannte
Bericht des ehemaligen Weltbank-Ökonomen Nicholas Stern, veröffentlicht im
Oktober 2006, verdeutlicht, daß die Kosten zur Bekämpfung des Klimawandels
deutlich niedriger sind, als diejenigen, die sich aus den Folgen des
Klimawandels ergeben werden. Der UN-Klimareport trug Anfang bis Mitte 2007 die
Ergebnisse der weltweiten Klimaforschung zusammen und machte in mehreren Teilen
unmißverständlich klar, wie ernst die Lage ist. Die Autoren des Klimareports,
das IPCC (International Panel on Climate Change), sowie Al Gore wurden für ihre
Aufklärungsarbeit zum Klimawandel im Oktober 2007 mit dem Friedensnobelpreis
ausgezeichnet.
Auf der Bali-Konferenz im Dezember 2007 konnten dann auch Länder, die bisher
den weltweiten Klimaschutz eher blockiert haben, zu verstärkten Anstrengungen
verpflichtet werden: Australien ratifizierte nach dem vorhergehenden
Regierungswechsel das Kyoto-Protokoll, Japan und Russland gaben ihre starre
Haltung auf und auch die USA haben letzten Endes ein Abschlußpapier
unterzeichnet, in dem man sich zu verstärkten und meßbaren Anstrengungen
verpflichtet. Die Verhandlungen für ein Nachfolgeklimaabkommen für das 2012
auslaufende Kyoto-Protokoll werden 2009 in Kopenhagen fortgeführt.
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Kyoto-Protokoll
Neben vielen regionalen und länderspezifischen Maßnahmen zum Klimaschutz
ist das Kyoto-Protokoll das einzige weltweit und völkerrechtlich verbindliche
Abkommen zur Reduktion der wesentlichen für die Erwärmung des Klimas
verantwortlichen Treibhausgase. Dem 2005 ratifizierten Abkommen sind
mittlerweile 177 Staaten beigetreten. Die sog. Annex-1-Staaten, das sind
industrialisierte Staaten, die bereits aktuell Reduktionsverpflichtungen zu erfüllen
haben, sind zusammen für 63,7 % der weltweiten Emissionen verantwortlich.1
Ziel war es, die jährlichen Treibhausgasemissionen der Industrieländer bis zum
Zeitraum 2008 – 2012 um durchschnittlich 5,2 % gegenüber dem Basisjahr 1990
zu senken. Allerdings hat das Kyoto-Protokoll aus verschiedenen Gründen an der
Zunahme der weltweiten Emissionen bisher wenig geändert. Hauptsächlich die
bislang ausbleibende Ratifizierung durch die USA sowie fehlende Reduktionsziele
für Entwicklungs- und Schwellenländer (insbesondere China und Indien) sind dafür
verantwortlich. Weiterhin wurden bisher emissionsreichen Sektoren wie der
Landwirtschaft, dem weltweiten Flugverkehr und dem Transportwesen keine
Reduktionen auferlegt.
Zur Erreichung der gesetzten Ziele wurde ein marktwirtschaftliches System
entwickelt, mit dem die teilnehmenden Staaten ihre Reduktionsziele weltweit so günstig
wie möglich erreichen sollen. Hauptbestandteil ist der Handel mit
Emissionsrechten (Emissionszertifikate, die das Recht auf den Ausstoß einer
bestimmten Menge Kohlendioxid oder weiterer Treibhausgase verbriefen) unter
Einbezug flexibler Mechanismen: Den teilnehmenden Unternehmen werden vom Staat
eine bestimmte Anzahl von Emissionsberechtigungen zugeteilt, die sich an der Höhe
der jeweiligen historischen Emissionen orientieren. Die Gesamtzahl der
Berechtigungen (EUA – European Union Allowances) sinkt dabei jährlich,
wodurch die Unternehmen gezwungen sind, entweder weniger Emissionen zu
verursachen, oder sich am Markt mit zusätzlichen EUAs zu versorgen. Die
Einsparung wird somit dort erreicht, wo sie am günstigsten ist.
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Flexible Mechanismen - CDM / JI
Einen Teil ihrer Reduktionsverpflichtungen können die Unternehmen aber auch
mit zusätzlichen Emissionszertifikaten aus zwei weiteren Mechanismen abdecken:
So wurde einerseits der "Mechanismus für umweltverträgliche
Entwicklung" (CDM, Clean Development Mechanism) eingeführt, der es
Industrieländern erlaubt, ihre Reduktionsziele zum Teil auch durch
Emissionseinsparungen in Schwellen- oder Entwicklungsländern zu erreichen. Es
darf sich dabei nur um Projekte handeln, die sich ohne den Verkauf der daraus
entstehenden Emissionszertifikate nicht gelohnt hätten. Wichtiger Nebeneffekt
ist hierbei auch der Transfer von Technologie und Know-How in diese Länder.
Weiterhin können Einsparungen in Entwicklungsländern im Vergleich zu
Industriestaaten deutlich einfacher und günstiger realisiert werden. Die aus
CDM-Maßnahmen entstandenen Zertifikaten werden als CERs bezeichnet (Certified
Emission Reduction).
Weiterhin können auch durch Kooperationsmaßnahmen zwischen einzelnen
Industriestaaten anrechnungsfähige Emissionseinsparungen generiert werden: Der
Mechanismus "Joint Implementation" (JI, "Gemeinsame
Umsetzung") wurde dabei insbesondere auch im Hinblick auf die notwendige
Modernisierung und die Einsparpotentiale der Osteuropäischen Volkswirtschaften
begründet. Die aus JI-Maßnahmen entstandenen Zertifikaten werden als ERUs
bezeichnet (Emission Reduction Unit).
Die in CDM- und JI-Projekten eingesparten Emissionen können von den
Industriestaaten zu einem gewissen Anteil als Ersatz für die EUAs genutzt
werden. Bisher wurden weltweit insgesamt 948 CDM-Projekte (siehe vollständige
Auflistung der registrierten CDM-Projekte der UNFCCC) erfolgreich
registriert und bereits rund 121,2 Mio. CERs für erfolgte Emissionseinsparungen
ausgegeben.2 Der Markt für CERs ist deutlich weiter fortgeschritten
als der Markt für ERUs aus JI-Projekten, weil CERs bereits ab 2005 genutzt
werden konnten. Erst seit Anfang 2008 können auch durch JI-Projekte generierte
Zertifikate als Ersatz für EUAs genutzt werden.
Inhalt
Aktuelles Beispiel: Deutschland
In Deutschland, wie auch in den weiteren teilnehmenden Staaten, nehmen
bislang hauptsächlich größere Industrieanlagen sowie die Anlagen der
Elektrizitätswirtschaft am Emissionshandel teil. In den nächsten Jahren sollen
weitere Sektoren, wie der Flugverkehr oder der Transportsektor, in den
Emissionshandel eingegliedert werden.
Deutschland hat als Europas größter Verursacher von Treibhausgasen ein Budget
an EUAs im Gegenwert von 452 Mio. Tonnen CO2 zur Verfügung. Der Großteil
wird den rund 1.625 teilnehmenden Anlagen kostenlos zur Verfügung gestellt,
rund 40 Mio. EUA werden allerdings auch am Markt versteigert. Im Gegensatz zur
vorherigen Periode (jährliches Budget 2005-07: 495 Mio. Tonnen) bedeutet dies für
viele Anlagen eine ambitionierte Verringerung der Emissionsberechtigungen (siehe
News vom 20. Februar 2008: "Emissionshandel
– Zuteilungsverfahren für zweite Handelsperiode abgeschlossen").
Unternehmen müssen sich also, wenn keine Einsparung durch Investitionen
erreicht werden kann, am Markt mit EUAs versorgen. In Deutschland können
weiterhin bis zu 22 % der fehlenden EUAs durch importierte CERs oder ERUs
ausgeglichen werden.3 Diese sind aktuell aus mehreren Gründen
deutlich günstiger (siehe "Preisdifferenz EUAs - CERs").
Insbesondere die großen Energieversorger, die mit dem Betrieb ihrer zahlreichen
Stein- und Braunkohlekraftwerke enorme Treibhausgasemissionen verursachen,
stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Von den zehn klimaschädlichsten
Kraftwerken in Europa (allesamt Braunkohlekraftwerke) stehen allein sechs in
Deutschland – vier Anlagen gehören RWE (Niederaußem, Frimmersdorf,
Weisweiler und Neurath), zwei Anlagen gehören dem schwedischen Energieversorger
Vattenfall (Jänschwalde und Boxberg)4. Die Kosten der von diesen
Anlagen emittierten Treibhausgase machen sich nun erstmals auch für die
Verursacher bemerkbar: Vattenfall benötigt allein für seine deutschen
Kraftwerke zwischen 2008 und 2012 jährlich zusätzliche Emissionsberechtigungen
im Gegenwert von zwischen 28 und 33 Mio. Tonnen CO2 (siehe News vom 12. Februar
2008: "Emissionshandel
– Vattenfall fehlen über 35 Mio. Zertifikate jährlich"). Bei einem
aktuellen Preis für EUAs von 21,25 Euro (EUAs mit Lieferung Ende 20085)
kann dies jährliche Zusatzkosten in Höhe von 600 – 700 Mio. Euro bedeuten.
An einzelnen Standorten in Deutschland, an denen Unternehmen neue
Kohlekraftwerke planen oder geplant haben, führen die zu erwartenden Kosten
durch den Emissionshandel zur Neubewertung der geplanten Investitionen in
fossile Energieträger. Pläne für ein in Bremen neu zu bauendes
Steinkohlekraftwerk wurden u.a. mit Hinweis auf die hohe Kostenbelastung
verworfen.
Bei RWE rechnet man gar mit einer jährlichen Belastung von 1-1,5 Mrd. Euro
durch fehlende Emissionsberechtigungen bis 20126. Als logische
Konsequenz will das Unternehmen einerseits seine Kapazitäten im Bereich der
Erneuerbaren Energien bis 2012 verdreifachen. Andererseits versucht das
Unternehmen, zusätzlich CERs und ERUs so günstig wie möglich zu kaufen oder
mittelbar auch selbst zu generieren: Aktuell wurde, von der GTZ organisiert, ein
Vertrag über die Abnahme von rund 0,5 Mio. CERs zwischen 2008 und 2012 aus drei
indischen Kompostierungsprojekten unterzeichnet7. Gemeinsam mit OSRAM
startet RWE weiterhin ein Energieeffizienzprojekt in Indien, in dessen Rahmen in
der Region Vishakhapatnam rund 700.000 Haushalte mit Energiesparlampen
ausgestattet werden sollen. OSRAM hat Anfang 2007 als erster Lampenfabrikant von
den Vereinten Nationen eine neue Methodik genehmigt bekommen, die es erlaubt,
energieeffiziente Beleuchtung im Rahmen des CDM-Modells durchzuführen. Die
durchschnittlichen Einsparungen einer Energiesparlampe im Vergleich zu
konventionellen Glühbirnen von einer halben Tonne CO2 werden zertifiziert und
an RWE verkauft. In den Entwicklungs- und Schwellenländern sollen dadurch der
Einsatz von meist Öl und Kohle als vorrangige Energiequellen verringert sowie
die Haushalte bei den Energiekosten entlastet werden.
Inhalt
Börsenhandel der Zertifikate
Durch den Emissionshandel und die Möglichkeit, fehlende
Emissionsberechtigungen teilweise mit Engagement in weltweiten Klimaschutz- und
Energieeffizienzprojekten auszugleichen, ist mittlerweile eine enorme Dynamik im
Markt entstanden. Teilnehmende Unternehmen müssen ihre Treibhausgasemissionen
quantifizieren und bei einem absehbaren Mangel an Ausstoßberechtigungen tätig
werden – fehlen zum Ende einer Abrechnungsperiode Zertifikate, wird eine
Strafzahlung von 100 Euro pro Tonne CO2 fällig. Weitere Marktteilnehmer sind
z.B. Banken, Versicherungen und auch Staatsfonds (z.B. in Deutschland über die
KfW), die entweder in EUAs als handelbares Gut, oder aber selbst in CDM- oder
JI-Projekte investieren. Auch private Fondsgesellschaften und zum Teil
Hedgefonds steigen mittlerweile in den Markt ein, in der Erwartung steigender
Preise zum Ende der Periode.
An den verschiedenen Börsen werden mittlerweile insgesamt mehrere Millionen
EUAs täglich gehandelt. In Europa ist dies insbesondere die ECX
(European Climate Exchange) in Amsterdam, die in 2007 den Handel von über 1
Mrd. Tonnen CO2 abwickelte8. Weitere wichtige Handelsplätze sind die
NordPool in Oslo, die PowerNext
in Paris und die EEX (European
Energy Exchange) in Leipzig, die gemeinsam mit der EUREX einen Markt für
Emissionsrechte anbietet und im Januar 2008 mit 4,14 Mio. gehandelten EUAs einen
neuen Umsatzrekord vermeldete.

Quelle: ECX 2008
Graphik: Volumen gehandelter EUAs (in Mio. Tonnen CO2) zur
Lieferung Ende 2008 an der ECX, Preisentwicklung Februar 2006 bis Februar 2008
Inhalt
Preisentwicklung
Die Preisentwicklung der EUAs hängt von verschiedenen Faktoren ab. Als
grundlegende Voraussetzung für das Funktionieren des Marktes muß zunächst
eine Knappheit an Zertifikaten herrschen. In der „Probephase“ von 2005 bis
2007 funktionierte dies nicht: Die teilnehmenden Länder und Unternehmen wurden,
teils aufgrund von deutlich überhöhten Statistiken zu ihren historischen
Treibhausgasemissionen, zu großzügig mit EUAs ausgestattet. In der Folge sank
der Preis gen null, das System hatte seine Wirkung verloren.

Quelle: EEX 2008
Die zuständigen Organe der UN haben daraufhin für die
Handelsperiode 2008-2012 die jeweiligen Kontingente stark reduziert. Selbst zu
dem Zeitpunkt der ersten Periode, als die tatsächlichen Emissionszdaten für
2005 bekannt wurden und in der Folge der Preis für Zertifikate der ersten
Periode verfiel, blieb der Future für EUAs, die Ende 2008 geliefert werden
sollen, relativ stabil und liegt seit nunmehr fast einem Jahr in einem
Preiskorridor zwischen 18 und 25 Euro.

Quelle: EEX 2008
In der laufenden Handelsperiode haben diverse Faktoren Einfluß
auf die Preisentwicklung der EUAs:
-
Energienachfrage
In der Energieversorgungsbranche hängt die Höhe der tatsächlichen
Treibhausgasemissionen, und damit der Bedarf an Emissionsberechtigungen,
stark von der Nachfrage nach Strom und Wärme ab. Diese wiederum hängt
stark von Faktoren wie dem Wirtschaftswachstum oder dem Wetter (warmer
oder kalter Winter) ab.
-
Zusätzliche Zertifikate aus CDM-/JI-Projekten
Die aus CDM- und JI-Projekten generierten Emissionszertifikate erhöhen
das Gesamtangebot an Zertifikaten, da sie zusätzlich zu den von
staatlicher Seite ausgegebenen EUAs auf den Markt kommen. Verschiedene Schätzungen
lassen allerdings vermuten, daß die in den nächsten Jahren zu
erwartenden CERs und ERUs die hergestellte Knappheit bei den EUAs nicht in
stärkerem Maße ausgleichen wird: Die globale Nachfrage nach CERs und
ERUs bis 2012, die sich aus der Differenz der historischen Emissionsdaten
und den Kyoto-Reduktionszielen aller teilnehmenden Staaten ergibt, liegt
bei rund 5,5 Mrd. Tonnen CO29. Die bisher registrierten
CDM-Projekte aber können bis Ende 2012 wohl nur rund 1,2 Mrd. zusätzliche
Zertifikate generieren10.
-
Preisentwicklung fossiler Brennstoffe
Sollte der an den Ölpreis gekoppelte Gaspreis mittel- bis langfristig
gegenüber dem Preis der Kohle stärker sinken, so würden theoretisch
Energieversorger vermehrt Strom und Wärme aus Gas produzieren, und
weniger auf den Energieträger Kohle zurückgreifen. Da Gas nur in etwa
halb soviel Treibhausgas freisetzt wie Kohle, würde ein solcher Umstieg
zu einer fallenden Nachfrage bei den Emissionszertifikaten führen. Im
Gegensatz dazu führt ein Anstieg bei Öl- und Gaspreisen theoretisch zu
einer höheren Nachfrage. Diese Korrelation ist allerdings in der Praxis
bisher noch nicht in höherem Maße aufgetreten.
-
Energieeffizienz / technische Innovationen
Technischer Fortschritt, sparsamer Umgang mit Energie, großflächige Wärmedämmungsmaßnahmen
oder generell eine höhere Energieeffizienz können Emissionen einsparen
und den Energiebedarf dauerhaft senken. Beides kann zu geringerer
Nachfrage nach Emissionsberechtigungen führen. Allerdings sind diese
Faktoren zum Teil bei den von jedem Land verlangten Reduktionen bereits
mit einkalkuliert worden.
Inhalt
Preisdifferenz EUAs - CERs
Zwischen EUAs und CERs existiert eine Preisdifferenz, die in den letzten
Monaten zwischen 4 und 6 Euro betrug. Auch gibt es für CERs keinen
einheitlichen Preis, sondern es werden in Abhängigkeit von mehreren Faktoren
unterschiedliche Preise verlangt und erzielt. Der Preis der CERs hängt
besonders von dem Stadium des Projektes ab, aus dem heraus die
Emissionszertifikate generiert werden sollen. Es ist z.B. möglich, bereits vor
der Registrierung eines CDM-Projektes bei der UNFCCC die prognostizierten CERs
vertraglich zu sichern – die Preise sind in diesem Stadium aufgrund des
Zertifizierungsrisikos erheblich niedriger als "fertige CERs" aus
bereits registrierten, laufenden Projekten. Aber selbst diese CERs sind momentan
noch günstiger als EUAs, denn sie unterliegen, jeweils abhängig vom
Herkunftsland und den angewandten Technologien, noch den laufenden
Ausfallrisiken.
Manch ein Unternehmen nutzt mittlerweile die Preisdifferenz zwischen den
Zertifikaten, verkauft einen Teil der ihm zugeteilten EUAs und deckt sich im
Gegenzug mit CERs aus relativ sicheren und laufenden Projekten ein ("Swap").
Mittel- bis langfristig wird sich nach Expertenmeinung der Preis der CERs den
EUA-Preisen annähern und sich angleichen, insbesondere, wenn im Laufe des
Jahres 2008 der physische Handel mit CERs und deren Futures an den verschiedenen
Börsen weiter Form annimmt. Ein CER, das ausgegeben und physisch geliefert
wurde, ist einem EUA nicht nur gleichwertig, sondern hat sogar den Vorteil, daß
es über das Ende der Handelsperiode 2012 hinaus seine Gültigkeit behält.
Inhalt
Beteiligungsmöglichkeiten für Anleger
Der Markt für den Handel mit Emissionsberechtigungen wurde geschaffen, um
den Klimaschutz weltweit voranzutreiben und Unternehmen dazu zu bringen, ihre
Umweltbelastung bei möglichst niedrigen Kosten stark zu verringern. Durch die
Teilnahme von weiteren aktiven Handelsteilnehmern wie Banken, Investoren und
auch Fonds entsteht mittlerweile aber auch ein Markt für Finanzprodukte, der
mehrere attraktive Eigenschaften vereint: Die Wertentwicklung der EUAs und CERs
korreliert nicht mit den Wertpapiermärkten, zudem handelt es sich um ein
System, das politisch gewollt und unbedingt notwendig ist. Ein Scheitern des
Systems (durch zu niedrige Preise der Zertifikate) kann sich die
Weltgemeinschaft nicht leisten.
Erste Fonds bieten auch Privatanlegern an, mit ihren gebündelten Beträgen in
diesen sonst nur Großanlegern und institutionellen Anlegern vorbehaltenen Markt
zu investieren. Eine Beteiligung in diesem Sektor kann sich insbesondere zur
Risikostreuung anbieten. Für ethisch-ökologisch motivierte Anleger kommt
hinzu, daß ihr Geld direkt in Umweltschutzprojekte fließt - und dies zumeist
in Regionen, in denen Umweltschutz oft ganz am Anfang steht, die aber durch den
Klimawandel wohl am stärksten betroffen sein werden.
Inhalt
Information:
Jörg-Henning Frank
Michael Horling
030 - 88 92 07 - 0
info@umweltfinanz.de
Quellen:
1. UNFCCC, Stand: 12. Dezember 2007
2. UNFCCC, Stand: 28. Februar 2008
3. Orbeo – the CO2-market. Facts & Figures
4. Öko-Institut im Auftrag des WWF, Mai 2007
5. Stand: 27.02.2008, EEX European Energy Exchange AG
6. www.co2-handel.de
7. GTZ International Services
8. www.co2-handel.de, 20.12.2007
9. 3C Company, Analyse CO2-Markt, März 2007
10. UNFCCC, März 2008
Weiterführende Informationen: